Roland Garros

Es gibt in Paris diese wenigen Wochen im Jahr, in denen Tennis nicht nur ein Sport ist, sondern Teil der Atmosphäre der Stadt. Roland Garros liegt dann nicht nur im Westen von Paris, es zieht sich durch Cafés, Hotels, Boutiquen und Straßen wie ein roter Faden.

Plötzlich tragen Schaufenster Tennisweiß, Patisserien dekorieren ihre Desserts mit kleinen grünen Bällen aus Zucker, und Hotels verwandeln ihre Innenhöfe in elegante Tennisplätze. Im Royal Monceau wurde der Garten kurzerhand zum Court, das Lacoste-Café bietet Patisserie im Tennis-Look an, kleine Kuchen, gestaltet wie klassische Tennis-Shirts, und überall scheint die Stadt kleine Referenzen zum Turnier zu verstecken.

Vielleicht fällt mir das alles aber auch besonders auf, weil ich mit dem größten Tennisfan zusammenlebe, den ich kenne.
Mein Partner ist ein wandelndes Tennislexikon. Es gibt keinen Spieler, kein Match und keine Statistik, die er nicht kennt. Durch ihn hat sich mein Blick auf diese Wochen verändert. Ich achte plötzlich auf die Gespräche in Cafés, auf die Menschen mit Tickets in der Metro oder auf die Spannung, die während eines wichtigen Matches irgendwie über der Stadt liegt.

Und als wäre das alles nicht genug Tennis für eine Woche, wurde bei mir heute auch noch ein Tennisarm diagnostiziert. Ich kann meinen Ellenbogen kaum bewegen, was ehrlich gesagt fast zu perfekt zu dieser Roland-Garros-Stimmung passt.

Umso mehr freue ich mich jetzt auf Sonntag, denn dann werde ich die French Open endlich live erleben. Zwischen all den Bildern, Gesprächen und kleinen Tennis-Referenzen in der Stadt jetzt tatsächlich selbst in Roland Garros zu sitzen, fühlt sich fast wie der letzte Teil dieser ganzen Paris-Tennis-Kulisse an.

Paris schafft es jedes Jahr aufs Neue, große Sportereignisse nicht einfach nur auszurichten, sondern sie ästhetisch in das Leben der Stadt zu integrieren. Während Roland Garros wird Tennis hier nicht nur gespielt. Es wird inszeniert.

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