Die Sommerfrische der Pariser
Deauville und Trouville: Meer, Freundschaft und französische Sommerfrische.
Im August fahre ich wieder nach Deauville. Mit Alexandra.
Wir kennen uns länger, als wir erwachsen sind, und es gibt nur wenige Menschen, mit denen sich Jahre anfühlen können wie ein einziges fortlaufendes Gespräch.
Ich freue mich auf den Zug ab Saint-Lazare, auf die ersten normannischen Häuser hinter den Fenstern und auf diesen kleinen Moment der Ankunft, wenn die Luft plötzlich nach Meer riecht und Paris schon erstaunlich weit weg wirkt.
Deauville und Trouville gehören seit Generationen zur Sommergeschichte der Pariser. Zwei Stunden im Zug genügen, und aus Boulevards werden Strandpromenaden, aus Métro-Geräuschen Möwen und Wind.
Die beiden Orte liegen sich direkt gegenüber und haben doch ganz unterschiedliche Temperamente.
Deauville trägt seine Eleganz mit großer Selbstverständlichkeit: die Villen, die Planches, das Filmfestival und die Erinnerung an die große Zeit der französischen Seebäder.
Trouville wirkt unmittelbarer und maritimer, mit seinem Hafen, dem Fischmarkt und der angenehmen Unaufgeregtheit eines Ortes, der niemandem etwas beweisen muss.
Ich mag dieses Wechselspiel.
Ein Kaffee hier, ein Spaziergang dort, zwischendurch immer wieder das Meer und dieser weite normannische Himmel, der ständig seine Farbe verändert.
Und ich freue mich darauf, all das mit Alexandra zu teilen – mit einer Freundin, die fast mein ganzes Leben kennt. Unsere Freundschaft ist längst an dem Punkt angekommen, an dem sie keine großen Gesten mehr braucht.
Ein Glas Wein, das Meer vor uns und Gespräche, die einfach dort weitermachen, wo sie beim letzten Mal aufgehört haben, reichen vollkommen aus.
Gare Saint-Lazare - Deauville/Trouville: 2:13h ab 20 Euro.
Paris im Juli
Paris im Juli. Paris Plages, Fête Nationale und sommerliche Kultur-Highlights.
Es gibt viele Gründe, Paris im Juli zu besuchen.
Für mich ist es vor allem die besondere Stimmung, die diesen Monat ausmacht. Mit dem Beginn der Sommerferien verändert sich der Rhythmus der Stadt. Viele Pariser verlassen die Hauptstadt, Straßen und Cafés wirken entspannter und selbst an beliebten Orten kehrt etwas mehr Ruhe ein. Genau diese Zeit genieße ich jedes Jahr aufs Neue.
Neben den großen Veranstaltungen sind es vor allem die kleinen kulturellen Highlights und sommerlichen Traditionen, die den Juli für mich so besonders machen. Hier findet ihr meine persönlichen Empfehlungen für diesen Monat.
2.–6. Juli | Dolcevita-sur-Seine
Den Auftakt meines Juli-Kalenders macht in diesem Jahr Dolcevita-sur-Seine. Fünf Tage lang verwandeln sich die Arènes de Lutèce in einen Ort, an dem italienische Kultur im Mittelpunkt steht. Open-Air-Kino, Konzerte, Theater und kulinarische Spezialitäten feiern die 70-jährige Städtepartnerschaft zwischen Paris und Rom. Eine wunderbare Gelegenheit, einen Sommerabend einmal anders zu verbringen – und einer meiner persönlichen Geheimtipps für den Monatsbeginn.
Ab 4. Juli | Paris Plages
Mit der Eröffnung von Paris Plages beginnt für mich der Pariser Sommer. Liegestühle, Sportangebote und sommerliche Aktivitäten beleben die Seineufer und das Bassin de la Villette. Besonders spannend finde ich die Geschichte hinter diesem Projekt: Bereits in den 1970er-Jahren entstand die Idee, die Seineufer wieder stärker den Menschen statt dem Autoverkehr zu widmen. 2002 wurde diese Vision mit Paris Plages schließlich Wirklichkeit. Heute ist das Sommerprogramm fester Bestandteil des Pariser Lebensgefühls und zeigt, wie sich die Stadt immer wieder neu erfindet.
Anfang Juli | Palais Galliera
Der Juli ist außerdem eine wunderbare Zeit für einen Besuch im Palais Galliera. Das Modemuseum zählt für mich zu den elegantesten Museen der Stadt – nicht nur wegen seiner Ausstellungen, sondern auch wegen seiner besonderen Architektur und seines Gartens. Die aktuelle Ausstellung La mode du XVIIIe siècle. Un héritage fantasmé zeigt eindrucksvoll, wie stark die Mode des 18. Jahrhunderts Designer bis heute inspiriert.
14. Juli | Fête Nationale
Der französische Nationalfeiertag gehört zu den traditionsreichsten Ereignissen des Jahres. Die Militärparade auf den Champs-Élysées, die Flugshow der Patrouille de France und das abendliche Feuerwerk machen den 14. Juli zu einem ganz besonderen Erlebnis. Wer Paris in dieser Zeit besucht, erlebt die Stadt von ihrer festlichen und zugleich sehr französischen Seite.
Ab 22. Juli | Cinéma en Plein Air
Kaum eine Sommertradition mag ich so sehr wie das Cinéma en Plein Air im Parc de la Villette. Wenn die Temperaturen am Abend langsam sinken und Filme unter freiem Himmel gezeigt werden, entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Ein wunderbarer Abschluss für einen Sommertag in Paris.
Zum Ausklang des Monats | Paris l’été
Zum Abschluss meines Juli-Kalenders möchte ich euch noch Paris l’été empfehlen. Das Festival bringt Kunst dorthin, wo das Leben der Stadt stattfindet, unter freiem Himmel und an außergewöhnlichen Orten.
Vielleicht ist das auch der schönste Weg, Paris zu erleben: nicht möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern Raum für die kleinen Begegnungen und unerwarteten Momente zu lassen. Genau daraus entstehen die Erinnerungen, die bleiben.
Arles- Fotofestival
Arles im Sommer: eine Stadt wird zur Galerie
Arles liegt an der Rhône im Herzen der Provence und gehört zu den Orten, an denen Geschichte allgegenwärtig ist. Beim Spaziergang durch die Altstadt begegnet man römischen Bauwerken, kleinen Plätzen, alten Kirchen und Häuserfassaden, die von Jahrhunderten erzählen. Das berühmte Amphitheater erinnert daran, welche Bedeutung die Stadt schon in der Antike hatte. Viele Besucher wissen außerdem nicht, dass Arles flächenmäßig die größte Gemeinde des französischen Mutterlandes ist.
Wer zum ersten Mal durch die Altstadt läuft, spürt schnell, dass Arles mehr ist als ein klassisches Reiseziel in der Provence. Zwischen römischen Mauern, historischen Gebäuden und kleinen Gassen entfaltet die Stadt ihren ganz eigenen Rhythmus. Die Vergangenheit ist präsent, aber Arles lebt im Heute.
Besonders gerne reisen wir während der Rencontres d’Arles an, dem internationalen Fotografiefestival, das jeden Sommer Besucher aus aller Welt in die Provence lockt.
Während des Festivals bleibt die Fotografie nicht in Museen oder Ausstellungshallen. Sie zieht durch die ganze Stadt.
Man entdeckt Ausstellungen in ehemaligen Industriegebäuden, in Kirchen, Innenhöfen und historischen Gebäuden. Selbst Orte, an denen man Kunst kaum erwarten würde, werden Teil des Festivals. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Ausstellung im Obergeschoss des Monoprix nahe des Kreisverkehrs am Bahnhof. Unten kaufen Menschen ihren Alltag ein, oben betrachten Besucher zeitgenössische Fotografie. Solche Momente begegnen einem in Arles ständig.
Bei einem anderen Besuch fanden wir uns plötzlich in einer Kirche wieder, in der eine Videoinstallation gezeigt wurde. Die alten Mauern, das Licht und die moderne Kunst schufen eine Atmosphäre, die lange nachwirkte.
Was mich dabei immer wieder beeindruckt, sind die Menschen, die das Festival mittragen.
An den Informationsständen sitzen häufig freiwillige Helferinnen und Helfer, viele davon bereits im Rentenalter. Sie begrüßen Besucher freundlich in mehreren Sprachen, beantworten Fragen, geben Empfehlungen und händigen die Festivalpässe aus. Man spürt sofort, dass die Rencontres d’Arles nicht nur ein internationales Kulturereignis sind, sondern auch ein Teil des Lebens in der Stadt.
Während des Festivals begegnet man nicht nur Fotografen und Künstlern. Auch viele Kreative aus anderen Bereichen zieht es nach Arles. Freunde von uns aus Paris gehören dazu. Mit ihrem Projekt PhamilyFirst beziehen sie für einige Wochen eine kulinarische Residenz und übernehmen zeitweise Restaurants in der Stadt. Gemeinsam mit seiner Schwester kocht Julien dort für Gäste aus aller Welt. Seine Schwester Celine wurde bereits für ihre Arbeit ausgezeichnet.
Entstanden ist ein Konzept, das perfekt zu Arles passt: Menschen kommen zusammen, tauschen Ideen aus, essen gemeinsam und genießen die besondere Atmosphäre des Sommers.
Überhaupt gehört die Kulinarik für uns genauso zu Arles wie die Fotografie. Nach einem langen Tag voller Ausstellungen sitzt man auf einem Platz, bestellt ein Glas Rosé, beobachtet das Treiben und kommt mit Menschen ins Gespräch, die oft aus ganz unterschiedlichen Ländern angereist sind.
Arles im Sommer ist schwer in Worte zu fassen.
Die Stadt wird zur Bühne, zur Galerie, zum Treffpunkt. Und manchmal bleibt am Ende nur ein Gedanke: einfach selbst hinfahren und erleben – es ist berauschend.
https://www.rencontres-arles.com/en von 06.Juli- 4.Oktober 2026
Juni in Paris
Wenn Paris in den Sommer kippt, wird die Stadt zur Bühne.
Ich glaube, der Juni ist der schönste Monat im Jahr.
Die Stadt ist offen, lebendig und voller Kunst und Kultur. Zwischen Pride-Events, Kunstnächten und Musikfestivals liegt alles nebeneinander, als würde Paris in diesen Wochen nach außen atmen. Diversität und Leben stehen im Mittelpunkt.
Paris mon amour.
Meine Empfehlungen für den Juni in Paris:
We Love Green — Musik, Nachhaltigkeit und ein anderes Festivalgefühl (5.–7. Juni)
Den Anfang macht We Love Green im Bois de Vincennes — eines der spannendsten Musik Festivals Europas. Zwischen Waldlichtungen und Sommerabenden spielen dieses Jahr unter anderem Gorillaz, The xx, Little Simz und Charlotte de Witte.
Besonders freue ich mich auf Sébastien Tellier, der mit „La Ritournelle“ einen der schönsten französischen Love Songs geschrieben hat.
We Love Green verbindet Musik, Kunst und Nachhaltigkeit auf eine Weise, die ziemlich einzigartig geworden ist — mit starken Line-ups, lokalen Anbietern, nachhaltigem Essen, ökologischen Konzepten und einer Atmosphäre, die trotz der Größe erstaunlich entspannt bleibt.
Nuit Blanche — wenn Paris zur offenen Galerie wird (6. Juni)
Eine Nacht lang gehört die Kunst der ganzen Stadt.
Während der Nuit Blanche bleiben Museen, Kulturorte und Installationen bis spät in die Nacht geöffnet , viele davon kostenlos.
Natürlich kann man sich am Musée d’Orsay in die langen Schlangen stellen, denn auch dort ist der Eintritt frei. Aber das Schönste an der Nuit Blanche passiert oft abseits der großen Institutionen.
Plötzlich tauchen Installationen entlang des Canal Saint-Martin auf. Versteckte Garagen werden zu Ausstellungsräumen. Kirchen öffnen ihre Türen für Lichtkunst oder Klanginstallationen. Hinterhöfe, Brücken und Plätze verwandeln sich für ein paar Stunden in temporäre Bühnen.
Für diese Nacht habe ich auch eine eigene Fotokarte mit besonderen Spots und Installationen zusammengestellt.
JR am Pont Neuf — eine Brücke als Kunstinstallation (ab 6. Juni- 28. Juni)
Parallel zum Festivalgeschehen verwandelt JR den Pont Neuf in eine monumentale Installation im Herzen von Paris. Mit „La Caverne du Pont-Neuf“ knüpft er bewusst an die legendäre Verhüllung von Christo und Jeanne-Claude an — und entwickelt daraus eine neue, immersive Form von Stadtraumkunst.
JR gehört zu den Künstlern, die den öffentlichen Raum nicht nur bespielen, sondern ihn als politisches und emotionales Medium verstehen. Seine Arbeiten holen Geschichten an die Oberfläche, die sonst unsichtbar bleiben: Menschen aus unterschiedlichen sozialen Realitäten, urbane Brüche, Grenzräume, Identität.
Genau darin liegt die Kraft seiner Kunst: Sie ist nicht distanziert, sondern direkt. Sie berührt, weil sie Menschen sichtbar macht — und weil sie den Stadtraum selbst in eine gemeinsame Erzählung verwandelt.
Der Pont Neuf wird so nicht nur zur Installation, sondern zu einem Ort, an dem sich Paris selbst neu betrachtet.
Fête de la Musique — ganz Frankreich tanzt in den Sommer (21. Juni)
Musik war für mich schon immer etwas Großes.
Vielleicht begeistert mich die Fête de la Musique deshalb jedes Jahr so sehr.
Am 21. Juni wird ganz Frankreich zu einer Bühne. Nicht nur Paris — überall sind Menschen draußen. Vor Bars spielen kleine Bands, irgendwo legt ein DJ auf, an der nächsten Ecke entsteht spontan ein Konzert.
Die Musik gehört an diesem Tag nicht einzelnen Clubs oder Konzerthäusern. Sie ist einfach überall.
Die ganze Stadt bewegt sich durch Musik, tanzt und feiert gemeinsam das Leben und den Sommerbeginn.
Paris Pride — Sichtbarkeit, Freiheit und kollektive Freude (27. Juni)
Ende Juni folgt mit der Paris Pride einer der wichtigsten und sichtbarsten Tage des Monats.
Schon in den Wochen davor finden in der ganzen Stadt Veranstaltungen, Partys, Ausstellungen und Diskussionen statt, bevor die große Parade durch Paris zieht.
Was Paris dabei besonders macht, ist dieses Gefühl von Offenheit. Pride wirkt hier nicht wie ein isoliertes Event, sondern wie Teil des kulturellen Lebens der Stadt. Cafés, Bars, Clubs, Kunstorte und ganze Nachbarschaften feiern mit , sichtbar, laut und selbstverständlich.
Der Juni zeigt in Paris besonders deutlich, wie eng Kultur, Diversität und Öffentlichkeit miteinander verbunden sein können.
Der Ballon in den Tuilerien — ein Bild aus dem Olympiasommer
Und dann kehrt auch ein vertrautes Bild in den Stadtraum zurück: der große Ballon in den Tuilerien, der schon während der Olympischen Spiele 2024 zu einem der prägendsten Symbole des Sommers wurde.
Er steht für diese besondere Idee, dass Paris sich immer wieder selbst zur Bühne macht , zwischen Alltag, Kultur und großen Momenten der Weltöffentlichkeit.
Der schwebende Ballon im Jardin des Tuileries wirkt dabei wie ein leiser Marker im Stadtraum: ein Zeichen dafür, dass der Ausnahmezustand der Spiele in eine neue, dauerhafte Sommerkultur übergeht.
Paris mon amour — nicht als Floskel, sondern als Zustand.
Roland Garros
Eine Stadt im Tennisfieber.
Es gibt in Paris diese wenigen Wochen im Jahr, in denen Tennis nicht nur ein Sport ist, sondern Teil der Atmosphäre der Stadt. Roland Garros liegt dann nicht nur im Westen von Paris, es zieht sich durch Cafés, Hotels, Boutiquen und Straßen wie ein roter Faden.
Plötzlich tragen Schaufenster Tennisweiß, Patisserien dekorieren ihre Desserts mit kleinen grünen Bällen aus Zucker, und Hotels verwandeln ihre Innenhöfe in elegante Tennisplätze. Im Royal Monceau wurde der Garten kurzerhand zum Court, das Lacoste-Café bietet Patisserie im Tennis-Look an, kleine Kuchen, gestaltet wie klassische Tennis-Shirts, und überall scheint die Stadt kleine Referenzen zum Turnier zu verstecken.
Vielleicht fällt mir das alles aber auch besonders auf, weil ich mit dem größten Tennisfan zusammenlebe, den ich kenne.
Mein Partner ist ein wandelndes Tennislexikon. Es gibt keinen Spieler, kein Match und keine Statistik, die er nicht kennt. Durch ihn hat sich mein Blick auf diese Wochen verändert. Ich achte plötzlich auf die Gespräche in Cafés, auf die Menschen mit Tickets in der Metro oder auf die Spannung, die während eines wichtigen Matches irgendwie über der Stadt liegt.
Und als wäre das alles nicht genug Tennis für eine Woche, wurde bei mir heute auch noch ein Tennisarm diagnostiziert. Ich kann meinen Ellenbogen kaum bewegen, was ehrlich gesagt fast zu perfekt zu dieser Roland-Garros-Stimmung passt.
Umso mehr freue ich mich jetzt auf Sonntag, denn dann werde ich die French Open endlich live erleben. Zwischen all den Bildern, Gesprächen und kleinen Tennis-Referenzen in der Stadt jetzt tatsächlich selbst in Roland Garros zu sitzen, fühlt sich fast wie der letzte Teil dieser ganzen Paris-Tennis-Kulisse an.
Paris schafft es jedes Jahr aufs Neue, große Sportereignisse nicht einfach nur auszurichten, sondern sie ästhetisch in das Leben der Stadt zu integrieren. Während Roland Garros wird Tennis hier nicht nur gespielt. Es wird inszeniert.
Central Chapelle
Ein Viertel im Wandel nach Olympia.
Es gibt Orte in Paris, die lange niemand wirklich geliebt hat.
Porte de la Chapelle war für viele genau so ein Ort.
Jahrelang hatte das Viertel einen schwierigen Ruf. Laut, hektisch, manchmal düster. Ein Ort, durch den man eher hindurchging, als dort zu bleiben. Und trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass dieser Teil des 18. Arrondissements mehr verdient hat als all die Vorurteile, die über ihn erzählt wurden. Heute fühlt sich plötzlich etwas anders an.
Mitten zwischen neuen Gebäuden, der Adidas Arena und den breiten Boulevards ist mit Central Chapelle ein Ort entstanden, der sich nicht einfach nur „neu“ anfühlt. Sondern wie ein neues Kapitel für das Viertel.
Das Besondere daran ist, dass all das eng mit den Olympischen Spielen 2024 verbunden ist. Während viele Wettkämpfe bewusst mitten in Paris stattfanden — zwischen Seine, Grand Palais und Eiffelturm — wurde hier tatsächlich eine der wenigen neuen olympischen Arenen gebaut: die Adidas Arena an der Porte de la Chapelle. Und genau dort saß ich während Olympia selbst im Publikum.
Ich bin in Leipzig auf die Kinder- und Jugendsportschule gegangen und habe viele Jahre Rhythmische Sportgymnastik gemacht. Deshalb war es für mich ein unglaublich emotionaler Moment, olympische Wettkämpfe in genau dieser Sportart in meinem eigenen Viertel zu erleben. Die Rhythmische Sportgymnastik hat mich geprägt. Und plötzlich saß ich nur wenige Minuten von meinem Zuhause entfernt in der Adidas Arena und sah die Olympischen Spiele. Ich habe dabei tatsächlich ein paar Tränen vergossen.
Vielleicht auch deshalb, weil Olympia hier nicht nur Sport hinterlassen hat. Sondern das Gefühl, dass sich ein Viertel verändern kann. Neben der Arena entstanden neue Universitätsgebäude, öffentliche Plätze und Treffpunkte wie Central Chapelle. Tagsüber sitzen Studenten auf den Terrassen, Menschen arbeiten an ihren Laptops, Familien trinken Kaffee, abends wird gegessen, getanzt und Musik gespielt.
Besonders berührt hat mich auch der Boulevard Richtung Arena. Dort stehen heute die Figuren der bedeutenden Frauen, die Teil der olympischen Eröffnungsfeier waren — Simone Veil, Olympe de Gouges, Gisèle Halimi und andere starke Frauenfiguren.
Und genau das fühlt sich irgendwie symbolisch an.
Wo früher viele nur Beton und Verkehr gesehen haben, entsteht heute langsam ein Ort mit Kultur, Begegnung und neuem Leben.
Nach Olympia blieb hier nicht nur eine Arena zurück, sondern das Gefühl, dass dieses Viertel plötzlich wieder Zukunft hat.
Und vielleicht ist genau das das Schönste an Paris:
Die Stadt hört niemals auf, sich neu zu erfinden.
Porte de la Chapelle erlebt gerade vielleicht sein schönstes neues Kapitel.
Central Chapelle - 4 Esp. Alice Milliat, 75018 Paris
Bazar de l'Hôtel de Ville
Paris verändert sich ständig — manchmal leise, manchmal so sichtbar, dass einem kurz die Luft wegbleibt.
Das BHV war für mich lange ein besonderer Ort in Paris. Ein Kaufhaus im Marais, das mehr war als ein Ort zum Einkaufen. Ich bin dort gern durch die Etagen gegangen, habe Briefpapier entdeckt, besondere Bettwäsche gefunden oder einfach den Blick von der Dachterrasse über die Stadt genossen. Ein Ort, an dem Paris sich in kleinen, sorgfältig ausgewählten Dingen gezeigt hat.
Bei meinem letzten Besuch war davon nur noch wenig zu spüren. Viele Bereiche wirken leer, fast entkernt. Etagen sind verschwunden, ganze Flächen geräumt. Zurück bleibt ein reduzierter Raum, in dem die frühere Vielfalt nur noch nachhallt.
Besonders deutlich wird dieser Wandel in der Auswahl der Marken. Viele der französischen Labels, die für Handwerk, Herkunft und „Made in France“ standen, sind gegangen. Sie haben Platz gemacht für ein anderes, globaleres Konzept — schneller, austauschbarer, weiter entfernt von dem, was diesen Ort einmal geprägt hat.
Und genau darin liegt für mich der eigentliche Bruch.
Denn was hier sichtbar wird, ist auch eine Frage von Haltung und Identität. In Frankreich bedeutet Herkunft nicht nur Stil, sondern auch Verantwortung gegenüber Handwerk und Tradition. Dass sich viele Marken bewusst zurückgezogen haben, wirkt dabei wie ein stilles Statement — ein Festhalten an dem, was sie ausmacht, auch wenn es bedeutet, einen Ort zu verlassen.
So bleibt ein Kaufhaus zurück, das sich neu sortiert — aber nicht ohne Spuren. Zwischen dem, was es war, und dem, was es geworden ist, steht ein leiser, aber spürbarer Widerstand.
Plantation
Über den Dächern des 18. Arrondissements entsteht mit Plantation ein neuer Ort: eine kleine Rooftop-Terrasse, die sich zwischen Natur, Stadt und Gemeinschaft entwickelt.
In meinem Viertel im 18. Arrondissement entsteht gerade etwas Neues, das ich sehr spannend finde: eine kleine Dachterrasse namens Plantation.
Eine Gruppe junger Leute hat hier einen Ort geschaffen, der sich langsam, aber selbstbewusst entwickelt – mit viel Grün, eigener Produktion und einer klaren Idee von Gemeinschaft.
Die Stadt unterstützt das Projekt, und aus dieser Initiative ist inzwischen ein echter kleiner Treffpunkt geworden. Kein großer, lauter Spot, sondern eher ein Ort, der sich organisch entfaltet.
Die Pflanzen wachsen hier nicht nur zur Dekoration, sondern werden tatsächlich genutzt – in der Küche, an der Bar, in den Cocktails, die man dort bestellen kann. Es gibt auch frische Obst- und Gemüsekörbe zur Bestellung. Ich mag diesen lebendigen Ansatz sehr, gerade in einer Stadt, in der man sonst so oft auf künstliche oder rein dekorative Lösungen trifft.
Was ich daran besonders mag, ist diese Mischung aus Einfachheit und Leben. Menschen kommen zusammen, leben ein Stück ihrer Träume und probieren sich aus – jeder auf seine eigene Weise, aber doch verbunden durch diesen Ort.
Und über allem liegt dieser weite Blick: ganz in der Ferne sieht man die Kuppel des Sacré-Cœur – fast wie ein Fixpunkt für das Viertel.
Es ist kein klassischer Rooftop-Spot in Paris, eher ein kleines Experiment, das sich gerade erst formt.
Und vielleicht ist genau das das Schöne daran: dass es noch nicht fertig ist, sondern sich ständig verändert – so wie mein Viertel auch.
Plantation Paris - Ferme Urbaine
37 Rue des Cheminots, 75018 Paris
Le Marais
Le Marais – zwischen Geschichte und Gegenwart
Das Le Marais wird oft als eines der „trendigen Viertel“ in Paris beschrieben.
Wenn ich dort unterwegs bin, denke ich jedoch weniger in Trends – sondern in Schichten.
Alte Fassaden stehen neben modernen Galerien, kleine Innenhöfe öffnen sich plötzlich hinter unscheinbaren Türen, und dazwischen liegt dieses ständige Wechselspiel aus Vergangenheit und Gegenwart. Nichts davon verdrängt das andere, alles existiert gleichzeitig.
Ich habe dort oft das Gefühl, durch mehrere Epochen und Lebenswelten zugleich zu gehen – ganz ohne Brüche. Mittelalterliche Strukturen, die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft, die starke Präsenz der LGBTQ+-Community in Paris und dazwischen die Kirche Saint-Paul, die ruhig und selbstverständlich im Viertel steht.
Was mich daran immer wieder fasziniert: Das wirkt nicht wie ein Nebeneinander, das sich arrangieren musste, sondern wie ein gewachsenes Miteinander. Nichts wirkt erklärungsbedürftig vor Ort – es gehört alles selbstverständlich zum selben Stadtraum.
Und genau das macht es für mich so besonders: Es ist kein Ort, den man „abhakt“, sondern einer, den man immer wieder neu entdeckt.
Cafés in Paris
Cafés in Paris: Zwischen Alltag, Atmosphäre und kleinen Entdeckungen
Cafés in Paris sind für viele ein vertrautes Bild aus Reiseführern: kleine runde Tische, ein Espresso, der Blick hinaus auf die Straße.
Doch die Realität fühlt sich oft leiser und gleichzeitig intensiver an.
Es geht selten nur um Kaffee. Es geht um Zeit. Um Gespräche, die sich ziehen dürfen. Um das einfache Dasein an einem Tisch, ohne das Gefühl, irgendwo anders sein zu müssen.
Und obwohl es unzählige Cafés gibt, hat jedes seinen eigenen Rhythmus – keiner davon ist wirklich inszeniert, auch wenn es manchmal so wirkt.
Gerade in Vierteln wie Montmartre entdeckt man immer wieder neue Orte, die genau dieses Gefühl einfangen. Einer davon ist Bønne Montmatre im 18. Arrondissement – ein Café, das nicht laut auffällt, sondern durch seine Atmosphäre bleibt.
Zwischen norwegischem Gebäck und Kaffee aus Oslo erzählen Malin und Serdar hier ihre gemeinsame Geschichte - in einem ehemaligen Metzgerladen, der heute wie ein norwegisches Zuhause wirkt.
Gleichzeitig entwickelt sich in der Stadt eine neue Café-Generation: moderne Spots wie Noir Coffee Shop, die mit klarem Design, Spezialitätenkaffee und inzwischen auch Matcha eine andere, schnellere Energie mitbringen. Sie zeigen, wie vielfältig die Pariser Café-Kultur heute ist – zwischen Tradition und Zeitgeist.
Und dann gibt es noch die ganz kleinen Orte, die man fast übersieht: Im Le Marais liegt mit Boot Café vermutlich eines der kleinsten Cafés der Stadt – kaum mehr als ein paar Quadratmeter, aber genau deshalb so besonders. Ein Ort, der zeigt, dass es in Paris nicht auf Größe ankommt, sondern auf Gefühl.
Am Ende sind es genau diese Orte, die das Paris abseits der Postkarten ausmachen.
Bønne, 56 Rue Labat, Paris
Paris Spaziergang
Paris wie im Film
Auf den Spuren von Emily in Paris…
Paris wie im Film – und warum manche Begegnungen alles verändern
Manchmal entstehen Dinge in Paris nicht durch Planung, sondern durch Begegnung.
So ist auch meine Emily in Paris Tour entstanden – eine Tour, die sich auf die Welt von Emily in Paris bezieht und zugleich weit darüber hinausgeht.
Ich wurde damals von der Produktion der Serie als Stadtführerin ausgewählt und hatte dadurch die Möglichkeit, einige der Drehorte auf eine sehr persönliche Weise zu begleiten und kennenzulernen.
Für mich war das kein großes Ereignis im klassischen Sinne, sondern eher eine dieser typischen Pariser Situationen: Man geht seinen Weg, arbeitet, lebt – und plötzlich öffnet sich eine Tür zu etwas, das man nicht erwartet hat.
Aus dieser Erfahrung heraus habe ich eine Tour entwickelt, die die Welt von „Emily in Paris“ in den echten Stadtraum zurückholt. Eine Emily in Paris Tour in Paris, die visuelle Ästhetik der Serie mit dem vielschichtigen, gelebten Paris verbindet.
Denn so nah sich beide Welten sind, so unterschiedlich sind ihre Perspektiven: hier die Inszenierung, dort das alltägliche Leben.
Genau in diesem Spannungsfeld entsteht für mich eine neue Art, Paris zu erleben – zwischen bekannten Bildern aus der Serie und den leisen, authentischen Momenten der Stadt.
Emily in Paris Tour
Musée de Montmartre
Ein versteckter Ort in Montmartre, an dem es still wird. Im Garten des Musée de Montmartre finde ich immer wieder Ruhe.
Montmartre ist längst kein Geheimtipp mehr. Das kleine Dorf auf dem Hügel von Paris ist eines der meist fotografierten Viertel der Stadt geworden. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass man vor lauter bekannten Bildern leicht vergisst, worum es hier eigentlich geht.
Social Media hat Montmartre sichtbar gemacht, aber auch stark fokussiert: auf Hotspots, auf Perspektiven, die sich gut teilen lassen. Dabei liegt der eigentliche Reiz für mich oft in den ruhigeren Momenten dazwischen.
Genau diese Seiten versuche ich auch auf meinen Touren zu zeigen – nicht nur die bekannten Ansichten, sondern die leisen Räume des Viertels.
Das Musée de Montmartre selbst trägt dieses Gefühl in sich. Die Ausstellung ist wunderbar kuratiert und fängt die Zeit ein, in der Montmartre ein freies, künstlerisches Leben möglich war – mit Ateliers, Gemeinschaften und einer fast ungefilterten Kreativität. Besonders eindrücklich sind für mich die Atelier-Szenen von Suzanne Valadon, die dieses Leben so unmittelbar und menschlich wirken lassen.
Das Musée de Montmartre zählt zu den ruhigeren Museen in Paris und ist deutlich weniger überlaufen als große Sehenswürdigkeiten.
Einer dieser Orte ist der Garten hinter dem Musée de Montmartre. Sobald man hindurchgeht, wird es still. Grün, Licht, alte Mauern – und plötzlich fühlt sich Montmartre wieder ganz anders an.
Im hinteren Teil dieses Gartens liegt das Café Renoir. Kein Ort, der Aufmerksamkeit sucht, sondern einer, der sie beruhigt.
Ich komme gern hierher, nach einer Tour oder einfach zwischendurch. Ein Glas Wein oder etwas Frisches zu trinken, manchmal ein einfaches Sandwich – und dann einfach sitzen. In einem Buch blättern, die Sonne im Gesicht, oder den Bäumen zusehen, wie sie sich im Wind bewegen.
Es sind genau diese leisen Momente, die diesen Ort für mich ausmachen. Für einen Moment wird es ruhig, und mein Herz kommt zur Ruhe.
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Wenn du Montmartre einmal etwas anders erleben möchtest, zeige ich dir auf meinen Touren genau diese stillen Orte.